Bodenrichtwerte Hamburg 2026: Was Eigentümer und Käufer daraus wirklich ablesen können

Hamburgs neue Bodenrichtwerte zeigen für Wohnbaugrundstücke im Durchschnitt eine rückläufige Entwicklung. Daraus lässt sich jedoch nicht pauschal ableiten, dass Grundstücke oder Häuser in Hamburg entsprechend an Wert verloren haben.
Für Eigentümer und Kaufinteressenten lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, was die aktuellen Zahlen aussagen – und was nicht.
Was zeigen die Hamburger Bodenrichtwerte 2026?
Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte hat die aktuellen Bodenrichtwerte gemeinsam mit dem Immobilienmarktbericht Hamburg 2026 veröffentlicht. Sie beziehen sich auf den Stichtag 1. Januar 2026.
Im Hamburger Durchschnitt veränderten sich die Bodenrichtwerte gegenüber dem vorherigen Stichtag wie folgt:
- Einfamilienhaus-Bauplätze: rund 5 Prozent niedriger,
- Bauplätze für den Geschosswohnungsbau: rund 4 Prozent niedriger.
Gleichzeitig blieb der Medianpreis der 2025 verkauften Ein- und Zweifamilienhäuser einschließlich Grundstück weitgehend stabil und stieg leicht um 1 Prozent auf 565.000 Euro. Zudem wurden 5 Prozent mehr Ein- und Zweifamilienhäuser verkauft als im Vorjahr.
Diese Zahlen zeigen, warum einzelne Kennwerte nicht isoliert betrachtet werden sollten: Die durchschnittliche Entwicklung der Bodenrichtwerte ist nicht identisch mit der Preisentwicklung bebauter Immobilien.
Was bedeutet der Rückgang für Eigentümer?
Ein um 5 Prozent gesunkener durchschnittlicher Bodenrichtwert bedeutet nicht automatisch, dass jedes Hamburger Einfamilienhausgrundstück 5 Prozent weniger wert ist.
Bodenrichtwerte beziehen sich auf Zonen und ein typisches, fiktives Richtwertgrundstück. Das eigene Grundstück kann davon beispielsweise bei Größe, Zuschnitt, Bebaubarkeit, Erschließung oder Mikrolage deutlich abweichen.
Auch der Wert eines vorhandenen Hauses ist im Bodenrichtwert nicht enthalten. Bei einem Verkauf zählen zusätzlich der Gebäudezustand, die Wohnfläche, energetische Eigenschaften, Modernisierungen, der Grundriss und die aktuelle Nachfrage.
Eigentümer sollten ihre Preisvorstellung deshalb nicht allein auf die Veränderung eines Bodenrichtwerts stützen.
Was sollten Kaufinteressenten beachten?
Für Kaufinteressenten ist der Bodenrichtwert eine hilfreiche Orientierung. Er kann zeigen, welches durchschnittliche Preisniveau für den Grund und Boden einer Lage angesetzt wird.
Eine einfache Multiplikation des Richtwerts mit der Grundstücksfläche liefert aber noch keine belastbare Antwort auf die Frage, ob ein Kaufpreis angemessen ist.
Vor einer Entscheidung sollten Käufer insbesondere prüfen:
- Passt das Grundstück zum beschriebenen Richtwertgrundstück?
- Welche Bebauung ist tatsächlich zulässig?
- Bestehen Rechte, Belastungen oder Besonderheiten?
- Welchen Zustand und Wert hat das vorhandene Gebäude?
- Welche Modernisierungs- oder Sanierungskosten sind zu erwarten?
- Welche Preise wurden für vergleichbare Immobilien erzielt?
Auch eine große Grundstücksfläche bedeutet nicht automatisch, dass zusätzliche Bebauung oder eine Teilung möglich ist.
Warum unterscheiden sich Grundstücke innerhalb eines Stadtteils?
Gerade in Hamburg können sich Lage und Nutzungsmöglichkeiten auf kurzer Entfernung verändern. Das gilt sowohl für gewachsene Wohnlagen in Hamburg-Niendorf als auch für die unterschiedlichen Mikrolagen der Hamburger Elbvororte.
Eine ruhige Nebenstraße, die Nähe zu Grünflächen, Verkehrseinflüsse, Grundstückszuschnitt oder baurechtliche Möglichkeiten können den individuellen Wert beeinflussen. Ein Stadtteilname oder eine gemeinsame Bodenrichtwertzone ersetzt deshalb nicht die Prüfung des konkreten Objekts.
Wir würden daher auch aus den durchschnittlichen Hamburger Rückgängen keine pauschale Prognose für einzelne Immobilien in Niendorf oder den Elbvororten ableiten.
Wo lassen sich die Werte abrufen?
Die amtlichen Hamburger Bodenrichtwerte können kostenfrei über BORIS.HH eingesehen werden. Dabei solltest Du nicht nur auf den angezeigten Eurobetrag achten, sondern auch auf:
- den Stichtag,
- die Abgrenzung der Richtwertzone,
- die vorgesehene Nutzung,
- die Merkmale des Richtwertgrundstücks,
- mögliche Umrechnungs- und Erläuterungshinweise.
Eine ausführliche Erklärung findest Du in unserem Immobilienlexikon unter „Bodenrichtwert: Bedeutung, Ermittlung und Grenzen“.
Kurze Checkliste für Eigentümer und Käufer
- Welcher Bodenrichtwert gilt zum maßgeblichen Stichtag?
- Für welche Nutzung und welche Grundstücksmerkmale wurde er ausgewiesen?
- Weicht das konkrete Grundstück vom Richtwertgrundstück ab?
- Welche Bebauungsmöglichkeiten bestehen tatsächlich?
- Gibt es Rechte, Belastungen oder andere Besonderheiten?
- Wie ist der Zustand eines vorhandenen Gebäudes?
- Welche geeigneten Vergleichsdaten liegen vor?
Fazit
Die Bodenrichtwerte 2026 liefern wichtige Informationen über die Entwicklung des Hamburger Grundstücksmarktes. Der durchschnittliche Rückgang ist relevant, aber kein pauschaler Preisabschlag für jede Immobilie.
Wer verkaufen oder kaufen möchte, sollte den Bodenrichtwert als einen Baustein unter mehreren verstehen. Bei Klimpel & Germer verbinden wir amtliche Grundstücksdaten mit den Besonderheiten der Immobilie und unserer Kenntnis der regionalen Märkte. So entsteht eine Einschätzung, die näher am konkreten Objekt liegt als eine reine Quadratmeterrechnung.
Du möchtest den Wert Deiner Immobilie fundiert einordnen? Informiere Dich über unsere Immobilienbewertung oder sprich uns persönlich an.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Immobilienbewertung, Rechts-, Steuer- oder Sachverständigenberatung.
Quellen und Aktualisierungsstand
- Immobilienmarktbericht Hamburg 2026 – offizielle Mitteilung
- BORIS.HH – Freie und Hansestadt Hamburg
- § 196 Baugesetzbuch
Stand: 16. Oktober 2026



